Ein kurzer Blick auf die Geschichte

Seit Jahrhunderten ist Gönningen bekannt für seinen Samenhandel. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1594. Der Gönninger Schulmeister Hans Ruof kaufte damals in Bad Saulgau Samen im Wert von 12 Gulden. Zur damaligen Zeit hätte er zu diesem Preis auch vier Pferde haben können, woran sich der hohe Wert der Samen erkennen lässt.

Familien Haubensak um 1910

Einer der Hauptgründe, warum sich gerade in Gönningen der Samenhandel derartig entwickelte, ist wohl die geographische Lage des Ortes. Inmitten des Wiesatztales am Fuße der schwäbischen Alb, eingerahmt von Roßberg im Süden und Stöffelberg im Norden, stand der Bevölkerung schon immer zu wenig Ackerfläche zur Verfügung um sich selbst zu versorgen. So begannen die Gönninger Bürger zunächst mit Obst und Dörrobst, von den bis heute zahlreichen Streuobstwiesen, zu handeln. Bald erkannte man den Bedarf an Sämereien und zog von Haus zu Haus um im Winter und zeitigen Frühjahr seine Waren anzubieten. 

Hausierhandel in Säckingen

Für die Gönninger Samenhändler und ihre Kunden stand Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauen stets an erster Stelle. Dies war der Grund, warum ein Händler jedes Jahr die selben Ortschaften und Kunden aufsuchte. Ihr Handelsgebiet wurde von den Händlern als „Samenstrich“ bezeichnet. Die in Württemberg seit jeher übliche Realteilung im Erbfall führte dazu, dass nach einigen Generationen der Kundenkreis nicht mehr ausreichte um eine Familie zu versorgen. Daher mussten die Gönninger nun hinaus in die Welt. Im wahrsten Sinne: Ihre Handelsreisen führten sie bis nach Russland im Osten und nach Amerika im Westen. Ein Denkmal in der evangelischen Kirche in Gönningen erinnert an 244 Samenhändler, die von ihren Reisen nicht mehr zurückkamen.

Samenhändler um 1920Ab Mitte des 19. Jahr-hunderts, zur Blütezeit des Gönninger Samenhandels, gingen rund 1200 Gönninger dem Handel nach. Bedenkt man, dass der Ort in dieser Zeit etwa 2500 Einwohner zählte, so kann man  dem Pfarrbericht von 1799 zustimmen, der besagt: „Was gesund ist und was laufen kann, geht dem Handel nach“. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts verlagerte sich das Geschäft vom Hausier-handel hin zum Versandhandel. Bis heute existieren in Gönningen noch zwei Samenhändler.

Weitere Informationen finden Sie im Gönninger Samenhandelsmuseum.

Samen in Hand